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Gasometer City - Kultur - Geschichte
Eine Zeitreise durch drei Jahrhunderte PDF Drucken

Es ist historischer Boden...
...auf dem sich Simmering und damit auch die Gasometer befinden. Erste Ansiedlungen datieren zurück bis in die Hallstadtzeit (ca. 1200 v.Chr.), es folgten die Römer, die Awaren, unterschiedlichste weltliche und geistliche Besitzer von "Simmaningen" und die Türken, die das Prunkzelt Suleimans vor dem Schloss Neugebäude aufstellten. Kurz vor Weihnachen 1891 wurde Simmering schließlich auf Wunsch des Kaisers als XI. Wiener Gemeindebezirk eingemeindet.

27. Oktober 1896
Ein denkwürdiger Tag für Simmering, Wien und die "moderne Zeit": Nach einer turbulenten Gemeinderatssitzung wurde der Bau des Gaswerks Simmering von den Baubehörden bewilligt, am 28. Dezember folgte mit dem feierlichen Spatenstich der eigentliche "Geburtstag" der Wiener Gasometer. Nur zwei Jahre später sind die ersten beiden Gasometer fertig gestellt – unüblicher Weise sogar zwanzig Tage vor dem vereinbarten Termin. Drei Jahre nach dem Spatenstich lieferte das Gaswerk Simmering erstmals Brennstoff in das öffentliche Gasnetz. Mehr als vier Millionen Kronen hatte die Errichtung gekostet, stolze 47 Millionen Ziegel wurden, inklusive des späteren Ausbaus auf fünf Gasometer, verbaut.

Das Ende der Gasproduktion
Als im Winter 1962 die letzte öffentliche Gaslaterne Wiens gelöscht und die Gaserzeugung in Simmering durch die Lieferung von russischem Erdgas ersetzt wird, scheint auch das Ende der, längst zum Wahrzeichen des Bezirks gewordenen Gasometer besiegelt. Kaum sind die letzten, mittlerweile Denkmal geschützten Gasbehälter 1986 still gelegt, ergibt sich die erste – spektakuläre – Nachnutzung...

James Bond im Gasometer
Die Dreharbeiten zum Bond-Streifen "Hauch des Todes" bringen die Gasometer wieder in die Schlagzeilen. Später folgen die ersten Clubbings und Raves Österreichs und Zentraleuropas (ab 1993). 1996 ist die Zukunft der historischen Gebäude gesichert. Die GESIBA, die SEG und die Wohnbauvereinigung der GPA erwerben die vier Gasometertürme und entschließen sich zum spektakulären Umbau zu einem Architektur-Wunderwerk.

174 Millionen Euro...
...und zwei Jahre nach dem Beginn der Umbauarbeiten ziehen im Mai 2001 die ersten Wohnungsmieter in die Gasometer ein, die Geschäfte und die Gastronomie der Shopping Mall breiten sich auf stolzen 16.000m² aus. Mit unter den neuen Mietern sind auch 247 Studenten. Die Bank Austria Halle, die bis zu 3500 Fans Platz bietet, wird im September mit dem spektakulären Konzert von Roxy Music eingeweiht. Trotz des Bahn brechenden Umbaus und der Revitalisierung der Industriebauwerke wurde das Erscheinungsbild der Wiener Gasometer erhalten – und sie blieben eines der wichtigsten Wahrzeichen Wiens! Und das nicht bloß aufgrund ihrer historischen Bedeutung, denn der Umbau geriet zum architektonischen Meisterstück!

Jean Nouvel und der Gasometer A
Unten Stahlbeton, oben eine Kombination aus Glas und schillerndem Stahl. Der französische Stararchitekt hat mit seiner grandiosen Konzeption in die "alten" Gasometergemäuer ein neues, Licht durchflutetes Ambiente gesetzt, in dem mehr als 120 Wohnungen Platz finden.

Der Gasometer B und der "Schild" von Coop Himmelblau
Postmoderne Akzente und die Vergrößerung der Fläche durch den Anbau eines eigenen Gebäudes (der "Schild"). Ohne das Ensemble der historischen Gebäude zu zerstören, schufen so Stararchitekt Wolf D. Prix und sein Team eine architektonische Brücke über die Jahrhunderte. Es entstanden beinahe 20.000 m² Wohn- und 3000m² Geschäftsflächen, dazu knapp 250 Plätze im Studentenwohnheim und die Bank Austria Halle im "Bauch" des Gasometerturms B, eine der modernsten Veranstaltungshallen Europas. Sie bietet bis zu 3500 Besuchern Platz und wird vom Planet Music betrieben.

Der "grüne" Gasometer C
Der Blickfang dieses Gasometerturms ist der begrünte Innenbereich, in den die Wohnungsnutzer durch ihre Fenster schauen. Ein großzügiges Stückchen Natur im Herzen eines Gebäudes – das macht das Werk des Architekturbüros Wehdorn einzigartig!

Ein "grünes Herz" hat auch der Gasometer D
Entworfen von Stararchitekt Wilhelm Holzbauer gedeiht in mehr als dreißig Metern über dem Straßenniveau ein kleiner Garten. 114 Wohnungen finden im Turm D genauso Platz wie das Wiener Stadt- und Landesarchiv auf sechs Etagen, dazu kommen noch mehr als 10.000m² Tiefspeicher. Die Shopping Mall-Ebene ist mit einer Glasbrücke, die die Guglgasse überspannt, mit dem neu errichteten Entertainmentcenter verbunden. Das Entertainmentcenter bereichert die historischen Gasometer mit einem Kinocenter, einem Poker-Casino und einem Gastronomie-Angebot.

Die Guglgasse - Name erinnert an Gemüse und Blumen
"Die Guglgasse führt von der Modecenterstraße bis zur Erdbergstraße. An der Straße stehen die Gasometer. Seit 1895 wird der Weg, der teilweise in der Landstraße und zum Großteil in Simmering liegt, Guglgasse benannt. Offiziell erhielt die Straße erst 1959 diesen Namen. Als Namenspatron fungierte die alteingesessene Familie Gugl. Sie betrieb hier eine berühmte Gärtnerei." (Wiener Bezirkszeitung, 11. Bezirk Nr. 12, 13. März 2011, Seite 4)

Lebensader Shopping Mall
Wie ein roter Faden durchzieht die Shopping Mall den gesamten Komplex der Wiener Gasometer. Trockenen Fußes geht es direkt von der U-Bahn-Station (U3) über die drei Ebenen voll mit Geschäftsflächen im Gasometer A – vornehmlich der Nahversorgung der tausend Gasometer-Bewohner gewidmet – in den Gasometer B mit dem Zugang zu den Büros der Wiener Gebietskrankenkasse und der Bank Austria Halle. Eine Glasbrücke mit Gastronomie verbindet Turm B und C, der wiederum direkt an den Gasometer D anschließt. Insgesamt bietet die Gasometer Shopping Mall 55 Geschäfts- und Gastronomielokalen auf etwa 16.000m² Platz.

Die Sternenmeile "Walk of Stars"
Seit Herbst 2003 haben sich – ganz nach dem Vorbild der Hollywood-Stars in Los Angeles – 90 Stars aus den Bereichen Pop- und Rock-Musik, Jazz und Schlager mit Hand und Fuß "verewigt". Die Betonplatten sind im Boden der Shopping Mall eingelassen. Bisher hinterließen Top-Stars von Paul Anka, Alice Cooper, Kris Kristofferson, Sarah Connor, Bill Wyman (Rolling Stones), bis zu Joe Zawinul oder Simply Red bleibende Spuren. 2011 begrüßt der "Walk of Stars" seinen 100. Künstler!